Es gibt einen Ort, eine halbe Autostunde von Marina di Grosseto entfernt, an dem die Zeit vor dreitausend Jahren stehen geblieben zu sein scheint. Sie heißt Vetulonia und galt jahrhundertelang praktisch als Legende: eine mächtige und reiche Stadt, die von den Schriftstellern der Antike erwähnt wurde und dann spurlos verschwand.
Erst im 19. Jahrhundert dank eines archäologisch begeisterten Arztes wiederentdeckt, ist es heute eines der faszinierendsten und am wenigsten überlaufenen Dörfer der gesamten Maremma. Wenn Sie an der Küste von Grosseto Urlaub machen und einmal etwas anderes als das Übliche suchen, ist Vetulonia genau der Ausflug, den Sie nicht erwarten würden.

Die Geschichte von Vetulonia
Vetulonia, eine mächtige Stadt der etruskischen Dodekapolis, war ein wichtiger Knotenpunkt für den Seehandel und die Metallverarbeitung und übte sogar Einfluss auf die Symbole der römischen Macht aus. Einigen antiken Quellen zufolge war es gerade Vetulonia, das Rom die Symbole der Macht „beibrachte“: den Liktorenbündel, die Toga mit der purpurfarbenen Schärpe und den kurulischen Sattel.
Als reiche und mächtige Stadt unterhielt sie Handelsbeziehungen mit dem gesamten Mittelmeerraum: Griechenland, Phönizien, Karthago.
Nachdem sie nach der römischen Eroberung in Vergessenheit geraten war, wurde sie 1880 dank der Ausgrabungen des Arztes Isidoro Falchi wiederentdeckt, der ihre historische Bedeutung ans Licht brachte. Im Jahr 1887 nahm der Ort offiziell wieder seinen alten Namen an.
Sehenswürdigkeiten in Vetulonia
Der Rundgang lässt sich im Wesentlichen in drei Teile gliedern: das Dorf, die Nekropole und das Museum. Wenn Sie einen ganzen Tag Zeit haben, können Sie sich alles in aller Ruhe ansehen. Wenn Sie einen halben Tag Zeit haben, sollten Sie sich das Museum und die Nekropole ansehen – es lohnt sich.
Das Dorf und die Stadtmauern von Arce
Vetulonia ist ein kleines mittelalterliches Dorf, das von oben die Ebene von Grosseto überragt. Ein Spaziergang durch die stillen Gassen, zwischen Steinhäusern und Gemüsegärten mit Blick auf das Tal, ist schon an sich ein Erlebnis. Im höchsten Teil des Dorfes befinden sich die Mura dell’Arce: eine etwa dreißig Meter lange etruskische Stadtmauer, die aus riesigen, ohne Mörtel aufeinander gesetzten polygonalen Steinblöcken errichtet wurde. Sie stammen aus der Zeit zwischen dem 6. und dem 2. Jahrhundert v. Chr. und hinterlassen auch heute noch einen gewissen Eindruck. Stellen Sie sich vor, dass die gesamte Festung der etruskischen Stadt eine Fläche von etwa sechzehn Hektar umfasste.
Die Grabesstraße und die Nekropole
Unmittelbar außerhalb des Ortskerns führt eine Landstraße zur Via dei Sepolcri, dem Herzstück der archäologischen Stätte. Genau hier verbergen die Hügel Tausende etruskischer Gräber, die im Laufe jahrzehntelanger Ausgrabungen entdeckt wurden. Die aus dem Boden ragenden Grabhügel laden dazu ein, die unterirdischen Kammern zu betreten, in denen die Verstorbenen mit ihren Grabbeigaben beigesetzt wurden: wertvolle Gegenstände, Gefäße, Waffen und Schmuck. Einige Gräber sind für die Öffentlichkeit zugänglich und können besichtigt werden.
Die wichtigsten, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten, sind:
- Das Grab von Pietrera: das größte Grabdenkmal in ganz Vetulonia, bestehend aus zwei übereinanderliegenden Kammern, in denen die ersten Vollplastiken der etruskischen Kultur gefunden wurden.
- Das Grab des „Diavolino II“: Der Zugang erfolgt über einen langen, teilweise offenen Gang, dessen Atmosphäre Ihnen noch lange in Erinnerung bleiben wird.
- Das Grab der Goldenen Fibula: Unter freiem Himmel und im Schutz der Olivenbäume gelegen, ist dies der Ort, an dem die berühmte goldene Fibula gefunden wurde, die in der „Pulvertechnik“ gefertigt wurde – einer Goldschmiedetechnik auf höchstem Niveau –, und die heute im Museum des Dorfes aufbewahrt wird.
- Grabstätte des Belvedere: Mit ihrem Panoramablick auf die umliegende Landschaft ist sie einer jener Orte, an denen Geschichte und Landschaft nahtlos ineinander übergehen.
Das Städtische Archäologische Museum „Isidoro Falchi“
Das Museum, das nach dem Arzt benannt ist, der die Stadt wiederentdeckte, befindet sich auf der Piazza Vetluna und erstreckt sich über sieben Säle auf zwei Etagen. Die Ausstellung zeichnet die Geschichte von Vetulonia vom 9. Jahrhundert v. Chr. bis zur Römerzeit nach und umfasst über siebenhundert Originalfunde. Zu den wertvollsten gehören: Goldschmuck, der mit der Pulviscolo-Technik gefertigt wurde (winzige Goldkügelchen, die auf beliebige Oberflächen aufgebracht werden), Stelen mit etruskischen Inschriften, außerordentlich reichhaltige Grabbeigaben sowie Fundstücke aus dem Handel mit dem Orient und der griechischen Welt.
Es lohnt sich, mindestens eineinhalb Stunden dafür einzuplanen. Die Anlage ist auch für Besucher mit motorischen Einschränkungen und für Blinde zugänglich – ein Detail, das in einem kleinen Dorf nicht selbstverständlich ist.
Ein Besuch im Archäologischen Park von Vetulonia ist eine interessante Idee. Ein Tag, der den Rhythmus des Strandurlaubs auf perfekte Weise unterbricht: Man kehrt mit einem Kopf voller Geschichte, etwas müden Füßen und jenem angenehmen Gefühl zurück, etwas entdeckt zu haben, das nicht jeder kennt.

